Authentische Kommunikation

Authentizität und Selbst­bestimmung in der sozialen Interaktion

In der Kommunikations­wissen­schaft wird die authentische Kommunikation als eine zwischen­mensch­liche Gesprächs­form definiert, in der die kommunizierten Gedanken, Gefühle und Wert­haltungen allein aus sich selbst heraus stammen, ohne sich in der sozialen Interaktion durch äußere Einflüsse und Gruppen­zwänge bestimmen zu lassen.

Freiheit und Selbst­bestimmung

Authentizität steht in direkter Beziehung zu einem selbst­bestimmten Leben, das von Selbst­verant­wortung, Selbst­für­sorge, Entfaltung der eigenen Potentiale und konstruktivem, verantwortungs­bewussten Einbringen in die Gesellschaft geprägt ist.

Bezüglich Freiheit, Selbst­bestimmung, Sozial­verhalten und Verantwortung sind in den Grund- und Menschen­rechten liberaler Staaten folgende oder ähnliche Formulierungen zu finden: “Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt”.

In einem Training in authentischer Kommunikation stellt sich oft die philosophische Frage bezüglich der persönlichen Konsequenz aus den verfassungsrechtlich garantierten Grund- und Persönlich­keits­rechten.

Wertschätzung und Mitgefühl

Ein essentielles Element der authentischen Kommunikation ist eine wert­schätzende Haltung auf drei Ebenen:

  1. zur eigenen Person
  2. den Gesprächspartnern gegenüber
  3. nicht anwesenden betroffenen Dritten gegenüber

In Gesprächs- und Konflikt­situation wird bewusst auf die eigenen Bedürfnisse geachtet und gleich­zeitig berück­sichtigt, dass andere Menschen ebenfalls Bedürfnisse, Empfindungen, Ängste und Probleme haben. Mit dieser inneren Haltung der Wert­schätzung und Rück­sicht­nahme kann eine gelungene Kommunikation stattfinden, die von Kooperations­fähigkeit, gemeinsamer Kreativität und friedlicher Konflikt­lösung geprägt ist.

Auch wenn es in einem Gespräch um Dritte geht, sollte die Wertschätzung gewahrt bleiben. Es muss nicht immer alles gesagt und weiter­erzählt werden! Ich halte mich hier an die Drei Siebe des Sokrates, wo die Weiter­gabe von Informationen nach drei Kriterien überprüft wird: dem Sieb der Wahrheit, dem Sieb der Güte und dem Sieb der Nützlichkeit.

Selbst­reflexion, Selbst­ein­schätzung und Selbstbewusst­sein

Im Sinne des Handlungs­konzepts der authentischen Kommunikation bedeutet Selbst­bewusst­sein, sich sowohl seiner Fähig­keiten, Potentiale, Begabungen und Stärken als auch der eigenen Kompetenz­defizite, Vulnerabilitäten und problematischen persönlichen Eigen­heiten bewusst zu sein.

Selbst­reflexions­fähig­keit und die damit einher­gehende realistische Selbst­ein­schätzung ist elementar für echtes Selbst­bewusst­sein und Selbst­ver­trauen. Erst mit dieser Echtheit werden wir als selbst­bewusst, authentisch, sympathisch und vertrauens­voll erlebt, auch wenn wir nicht so großartig und perfekt sind. Im Gegensatz dazu wird ein unreflektiertes, übermäßiges und aufgeblasenes Selbst­bewusst­sein meist als befremdlich, aufgesetzt, angeberisch, arrogant und präpotent wahrgenommen.

Es ist allerdings gar nicht so einfach, ein gutes Mittelmaß zwischen Bescheiden­heit und Gesehen­werden zu leben. Einer­seits sind Zurück­haltung und Bescheiden­heit geschätzte Charakter­eigen­schaften, anderer­seits sollte man “sein Licht nicht unter den Scheffel stellen”, sondern auch zeigen, was man drauf hat.

Auftreten und Körpersprache

Zwischen­menschliche Kommuni­kation betrifft alle Bereiche des Menschen, wie Stimme, Wortbetonung, Emotionen, Mimik, Körper­sprache, Körper­haltung – und sogar Kleidung und Raum beeinflussen die Gesprächs­führung. Ein Text kann für sich alleine stehen, aber gesprochene Sprache braucht Persön­lich­keit, Emotionalität und Körper­lichkeit, um Kommunikation vollständig und voll verständlich zu machen.

Deshalb ist die bewusste Selbst- und Körper­wahr­nehmung eine wichtige Komponente bei der Weiter­­ent­wicklung der Kommunikations­kompetenz, wobei eine authentische nonverbale Kommunikation vor allem aus der intakten Beziehung zum eigenen Körper, zu den eigenen Gefühlen, zur Welt und zu den anderen Menschen entsteht.

Hingegen kann die Arbeit an bestimmten Ideal­vor­stellungen von Körper­sprache sogar nachteilig sein, weil es sich dabei meist um eine optimierte Selbst­darstellung handelt, die häufig als Inszenierung wahrgenommen wird. Jeder kennt die Kommunikations­profis mit ihrer “überzeugenden” Hand­haltung und Gestikulation. Auch ich verliere mich manchmal ein bisschen in der inszenierten Selbst­darstellung, weil es sehr schwer ist, ganz davon wegzukommen. Zumindest ist es mir bewusst.

Humor und Selbst­akzeptanz

Über sich selbst lachen zu können, peinliche Situationen humorvoll zu nehmen und nörgelnden, wichtig­tuerischen, besser­wisserischen und eitlen Menschen mit Humor zu begegnen, ist eine weitere erlernbare Eigen­schaft, welche das eigene Leben und das soziale Miteinander vereinfacht und erleichtert.

Humor­voll sein bedeutet aller­dings nicht, ein scherzender Komiker zu sein, sondern eine Freude am Komischen und Seltsamen zu entwickeln. Das gilt auch für das eigene Ver­halten, das natürlicher­weise immer wieder komisch, schräg und peinlich ausfallen kann.

Authentischer Umgang mit Angst und Aggression

In der authentischen Kommunikation werden Angst und Aggression als hilfreiche Gefühle gesehen. Die Angst- und Stress­reaktion ist an sich eine wichtige Funktion, welche vor Gefahren und Schäden bewahrt. Die gesunde Angst führt zu einer besonderen Vorsicht und Achtsam­keit sowie zu einem nützlichen Stress- bzw. Spannungs­zustand, der die körperliche und geistige Leistungs­fähigkeit und Wachheit steigert. In der Folge können Heraus­forderungen effektiver und sicherer bewältigt werden. Gesunde, neurotische und krankhafte Ängste

Aggressionen dienen vor allem dem Schutz der eigenen Grenzen, der Wahrung der persönliche Integrität (physische und psychische Unversehrt­heit) und dem Erhalt der Selbst­bestimmung. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass eigene aggressive Impulse nicht destruktiv, verletzend, entwertend und kränkend ausgelebt werden, sondern Wertschätzung und Mitgefühl aufrecht bleibt.

Die Rücksicht­nahme sollte jedoch nicht davon abhalten, “die Dinge beim Namen zu nennen”, um Missver­ständnisse, Informations­defizite und relevante Sach­verhalte zu klären. In manchen Situationen ist es sogar notwendig, die eigenen Aggressionen emotional, körperlich und verbal voll zum Ausdruck zu bringen. Das Unter­drücken von Aggressionen und Hin­nehmen von unangenehmen Situationen und unerträglichen Zuständen würde krank machen. Generell ist in unserer modernen und ziemlich neurotischen Gesellschaft der Umgang mit Aggressionen etwas problematisch und ambivalent.

Ich reagiere meist entsprechend aggressiv, tue mir aber damit enorm schwer, weil ich in manchmal über­reagiere und dann ganz außer mir bin und mir tagelang Vorwürfe mache. Eine angemessene Über­reaktion ist in vielen Fällen jedoch erforderlich, um wirklich ewas zu bewirken bzw. Bewegung in eine Angelegen­heit zu bringen, während die übliche aggressive Reaktion vom Gegen­über bewusst oder unbewusst erwartet wird und praktisch nichts bewirkt.

Emotionale Abgrenzung

In der sozialen Interaktion mit komplizierten, egozentrischen und leidenden Menschen ist es sehr hilfreich, sich gut abgrenzen zu können. Dabei ist zu berück­sichtigen, dass immer etwas von der Kränkung und Entwertung oder von der psychischen Problematik und dem menschlichen Leid durchkommt, auch wenn wir uns noch so gut abgrenzen. Das war auch der entscheidende Grund für mich, trotz lang­jähriger Psychotherapie­ausbildung keine Psychothera­peutin zu werden, sondern lieber als Lehrende und Coach zu arbeiten.

Nach belastenden, aufregenden und bewegenden Gesprächen und Erlebnissen ist es sinnvoll und wichtig, das Erlebte und die damit verbundenen Gefühle in darauf­folgenden Gesprächen mit uns nahe­stehenden Menschen, guten Kollegen, Super­visoren, etc. zu bearbeiten.

Authentische Deeskalation

Für die Deeskalation der üblichen alltäglichen Konflikte genügt meist die Kombination aus Authentizität, Selbst­bestimmung, Wertschätzung, Mitgefühl, Selbst­ver­trauen, Humor und guter Selbst­wahr­nehmung.

Authentische Kommunikation erweitert mit Deeskalations­strategien und psychologischen Kenntnissen

Wenn du beruflich mit Menschen zu tun hast, deren soziale Funktions­fähig­keit dauerhaft durch eine Persönlich­keits­störung oder vorüber­gehend durch einen psychischen Ausnahme­zustand bzw. eine schwere Lebens­krise beein­trächtigt ist, dann kann dir ein Training in deeskalierender Kommunikation die Arbeit beträchtlich erleichtern. In vielen Berufs­feldern ist die entsprechende sozial-kommunikative Kompetenz­entwicklung in die Ausbildung integriert oder im Rahmen von Weiter­bildungen obligatorisch.

Bei meinem Angebot im Bereich der deeskalierenden Kommunikation handelt es sich im Grunde um ein Kommunikations­training in authentischer Kommunikation, das um folgende Themen erweitert ist:

  1. präventive Deeskalations­strategien
  2. vertrauens­bildende Maßnahmen
  3. Kenntnisse der Psycho­pathologie, Ich-Struktur, psychischen Abwehr und Konflikt­dynamik

Psycho­logische Kenntnisse dienen dazu, psychisch kranke und emotional instabile Menschen sowie verhaltens­auf­fällige und delinquente Personen besser verstehen und einschätzen zu können, um in der Folge leichter eine vertrauens­volle professionelle Beziehung aufzubauen und zielsicher präventiv-deeskalierend zu handeln.

Beispiele präventiver Deeskalations­strategien und vertrauens­bildender Maßnahmen:

  • räumlich den passenden Abstand wahren und dem Betroffenen einen “gefühlten Fluchtweg” freihalten
  • mit vertrauens­voller Körpersprache und Stimme auftreten
  • sich den eigenen Ängsten und Aggressionen bewusst sein und konstruktiv damit umgehen
  • dem Gegenüber das Gefühl geben, verstanden zu werden
  • verständnisvolle, einfühlsame Fragen stellen
  • keinesfalls autoritär belehren, sondern einfühlsam und kohärent erklären
  • Missver­ständnisse rechtzeitig erkennen und klären
  • eine allfällige Streit­spirale gar nicht erst aufkommen lassen oder zumindest gleich nach dem Erkennen auflösen
  • dem Gegenüber (und sich selbst) die Möglich­keit zum Beruhigen geben
  • sich persönlich und emotional gut abgrenzen und nicht in die Problematik des Gegen­übers hineinziehen lassen

In vielen Fällen gelingt damit die Aufnahme von Kontakt und Beziehung, wo es ohne Training zu Missver­ständnissen, Frustration, Streit und Eskalation käme.