Soziale Ängste

Normale situative Angst oder soziale Angst­störung?

Kommunikations­training oder Psychotherapie bei Unsicher­heit und Anspannung in ungewohnten, schwierigen und stressigen Situationen?

Die Angst vor bestimmten Situationen der sozialen Interaktion und die damit einher­gehende psychische und körperliche Stress­reaktion wird situative Angst bzw. soziale Angst genannt. Im Allgemeinen geht es dabei um Kommunikations­situationen, die an sich harmlos sind, aber auch peinlich, schwierig, stressig oder mit negativen Konsequenzen verbunden sein können. Praktisch jeder kennt das unangenehme Gefühl vor einer anspruchs­vollen Präsentation, einer entscheidenden Prüfung oder einem wichtigen Vorstellungsgespräch.

Kommunikations­training oder Psychotherapie?

Handelt es sich um die typische Angst- und Stress­reaktion in ungewohnten, schwierigen und bedrohlichen Situationen, können in einem Kommunikations­training, Deeskalations­training oder Coaching die erforderlichen sozial-kommunikativen Kompetenzen trainiert, weiter­ent­wickelt und allfällige Kompetenz­defizite bearbeitet werden.

Wenn den Sozial- und Situations­ängsten hingegen ein innerer Konflikt, eine Traumati­sierung oder ein Problem in der kindlichen Entwicklung zugunde liegt, ist eine Psychotherapie oder klinisch-psycho­logische Behandlung die adäquate Hilfe­stellung.

Kommunikationstraining und Coaching zur Weiter­entwicklung sozial-kommunikativer Kompetenzen

Ungewohnte und bedrohliche Kommunikations­situationen

Die Angst- und Stress­reaktion in schwierigen und angespannten Kommunikations- und Ausnahme­situationen ist eine wichtige Funktion, welche zu einer besonderen Wachsam­keit führt und die körperliche und geistige Leistungs­fähigkeit steigert. In der Folge können diese Situationen effektiver und sicherer bewältigt werden. In vielen Berufs­feldern ist die entsprechende sozial-kommunikative Kompetenz­entwicklung in die Ausbildung integriert oder im Rahmen von Weiter­bildungen obligatorisch.

Präsentationen, Bewerbungs­gespräche und Prüfungen

Auch das typische Lampen­fieber vor Aufritten, die überwindbare Redeangst beim Vortragen, die Selbst­unsicherheit vor Bewerbungs­gesprächen und die Prüfungs­angst vor öffentlichen oder kommissionellen Prüfungen haben selten etwas mit einer Sozialphobie zu tun.

Wenn hier allerdings die irreale Angst vor prüfender Betrachtung, Kritik und Ablehnung im Vordergrund steht, der Leidens­druck sehr groß ist und es zu destruktivem Vermeidungs­verhalten kommt (Auftritt, Vortrag oder Gespräch absagen, grundlose Krankmeldung, Prüfung immer wieder verschieben), dann sollte eine psychische Problematik in Betracht gezogen werden.

Die Vermeidung bestimmter Situationen, Aktivitäten und Aufgaben­stellungen kann auch nützlich sein, um die Lage genauer zu betrachen, sich auf eine Heraus­forderung besser vorzubereiten oder Gefahren abzuwenden. Problematisch ist das Vermeiden notwendiger, konstruktiver und geliebter Tätigkeiten und das Feststecken im Vermeidungsverhalten.

Mithilfe eines klärenden psychothera­peutischen Gesprächs oder einer klinisch-psycho­logischen Diagnostik kann das Vorliegen einer psychischen Störung abgeklärt und eine Empfehlung über die weitere Vorgehensweise zur Bearbeitung der Problematik gegeben werden.

Soziale Ausgrenzung und Diskriminierung

Ein sensibles Thema sind die Sozial­ängste gesellschaftlicher Gruppen, die häufiger benachteiligt, ausgegrenzt, abgelehnt, beleidigt oder sogar körper­lich angegriffen werden. Hier handelt es sich definitiv nicht um eine Sozial­phobie, sondern um eine begründete Sozialangst. Ich biete den Betroffenen ein spezielles Kommunikation­straining mit den Schwer­punkten authentische Kommunikation, selbst­bewusstes Auftreten, Blend-In/Stand-Out und präventive Deeskalations­strategien an.

Problematisches gesellschaftliches Umfeld

Ein allgemeines Unbehagen in scheinbar ungefähr­lichen sozialen Situationen kann ein Zeichen dafür sein, sich in einem eher narzisstischen Umfeld zu befinden, dem man sich besser fernhält. Meist ist in so einer Umgebung die problematische Beziehungs­dynamik nicht offen­sicht­lich, sondern die Entwertungen, Kränkungen und Manipulationen geschehen subtil und unbewusst. Siehe dazu auch meinen Artikel über psychische Abwehrmechanismen. Die gesunde Psyche bzw. das Unbewusste des Gesunden reagiert hier mit Unbehagen, Beklemmung und Ängsten, weil ein proble­matisches soziales Umfeld die psychische und körperliche Gesund­heit erheblich beeinträchtigen kann.

Psychotherapie bei sozialer Phobie

Die soziale Phobie wird den neurotischen Störungen zugeordnet. Ein wesentliches Merkmal einer neurotischen Angststörung ist, dass sich die Betroffenen der Irrealität ihrer Befürchtungen bzw. ihrer übersteigerten ängstlichen Reaktion bewusst sind. Eine Angststörung kann mit Psychotherapie oder klinisch-psycho­logischer Behandlung in den meisten Fällen rasch und unkompliziert bearbeitet werden.

Spezifische Sozial­phobie

Kennzeichnend für eine spezifische Sozialphobie ist die versuchte Vermeidung spezifischer Situationen der sozialen Interaktion aufgrund irrealer Ängste. Die Betroffenen sind meist sehr gesellig und gesellschaftlich sicher, aber in diesen bestimmten Situationen fühlen sie sich überfordert.

Dabei fürchten sie nicht die gefahrlose soziale Situation an sich, sondern die prüfende Betrachtung, die versteckte Kritik, die hinter­gründige Ablehnung, das peinliche Geschehen und das beschämende Gefühl, das dabei möglicher­weise auftreten könnte.

Die Angst- und Stress­zustände äußern sich häufig in Erröten, Hände­zittern, Übelkeit oder Drang zum Wasser­lassen. Die Betroffenen glauben manchmal, dass dieses Symptom das eigentliche Problem ist.

Spezifische soziale Ängste können das Sozial­leben und berufliche Voran­kommen beträchtlich hemmen. Oft sind es Ängste vor banalen alltäg­lichen Situationen und Handlungen, die zum sozialen Rückzug führen.

Generalisierte soziale Angststörung

Die generalisierte Form der sozialen Phobie ist durch eine generelle Angst vor Situationen der sozialen Interaktion gekenn­zeichnet. Dabei ist die Sozial­angst von der Bindungs­angst abzugrenzen. Während sich Betroffene einer Sozial­angst ängstlich-vermeidend hinsichtlich sozialer Situationen verhalten, sind Betroffene einer Bindungs­problematik ängstlich-vermeidend und selbstunsicher hinsichtlich zwischen­menschlicher Beziehungen. Dement­sprechend wird hier von einer ängstlich-vermeidenden bzw. selbstunsicheren Persönlich­keits­störung gesprochen.

Sozialängste im späten Jugend- und jungen Erwachsenen­alter

Besonders häufig sind soziale Ängste bei jungen Menschen in der Entwicklungs­phase vom späten Jugend­alter bis zum vollen Erwachsensein zu beobachten. Der Grund liegt darin, dass die fragile Lebensphase von der Jugend bis zum vollen Erwachsensein aufgrund der enormen hirn­organischen und psychosozialen Veränderungen generell häufiger von Ängsten und Unsicherheit geprägt ist.

Mit wachsender Lebens­erfahrung, erfolgreicher Potential­entfaltung und zunehmender Autonomie wächst auch das Selbst­ver­trauen. In der Folge können befremdliche, peinliche und irritierende Situationen leichter, gelassener und sicherer bewältigt werden.

Durch das ständige Üben des Sozial­verhaltens im Rahmen der alltäglichen Heraus­forderungen in Schule, Studium und Beruf können sich soziale Ängste sogar ganz heraus­wachsen. Besonders wichtig sind dabei die Gespräche und Aktivitäten inner­halb der Peer-Group, wobei die Peer-Group insgesamt einen großen Stellen­wert bei den Entwicklungs­aufgaben im späten Jungend- und jungen Erwachsenen­alter hat.

In manchen Fällen halten sich die sozialen Ängste aber hartnäckig. Ist die persönliche und fachliche Entfaltung durch extreme oder unüberwindbare soziale Ängste eingeschränkt und besteht dadurch ein erheblicher Leidens­druck, kann von einer Sozialphobie bzw. sozialen Angststörung ausgegangen werden.

Entscheidend ist, ob die Ängste allein und mithilfe von Freunden, Bezugs­personen, Lehrern, etc. noch überwunden werden können. Wenn das nicht mehr der Fall ist, hilft eine Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung weiter.