Selbstbewusstsein

Voraussetzungen für ein gesundes Selbst­ver­trauen und einen konstruktiven Umgang mit Selbst­zweifeln

Die Begriffe Selbstbewusstsein, Selbst­sicher­heit, Selbst­vertrauen und Selbst­wert­gefühl werden häufig synonym verwendet. Bei der Bearbeitung von Selbst­zweifeln, Impostor-Syndrom, Selbst­unsicher­heit, Minder­wertig­keits­gefühlen, Ängsten, Hemmungen und Blockaden ist jedoch eine Differenzierung nötig, um wirksam weiter­helfen zu können.

Generell entwickeln wir im Rahmen der Entfaltung unserer Potentiale, Fähig­keiten und Interessen ein Bewusst­sein für uns selbst und vertrauen zunehmend auf unsere Eigenschaften und Kompetenzen. Wenn die persönliche und fachliche Entfaltung durch innere und äußere Widerstände beeinträchtigt wird, kommt es in der Folge auch zu Beein­trächti­gungen bei Selbst­bewusst­sein, Selbst­sicher­heit und Selbstvertrauen.

In diesem Fall können professionelle Hilfe­stellungen wie förderliche Bildungs­maß­nahmen, Beratung, Coaching und in bestimmten Fällen auch Psychotherapie sehr hilf­reich und nützlich sein, um die Hemmnisse und Hinder­nisse bei der persönlichen und fachlichen Entfaltung zu bearbeiten.

Hingegen ist das Selbstwert­gefühl von den Beziehungs­erfahrungen in der Kindheit und vom Gefühl des geliebt und angenommen werdens abhängig. Deshalb ist bei der Bearbeitung einer Selbst­wert­problematik eine Psychotherapie angezeigt!

Die Begriffe Selbst­bewusst­sein, Selbst­sicherheit und Selbst­ver­trauen genauer betrachtet

Selbstbewusstsein

Selbstbewusstsein bedeutet, sich seiner selbst bewusst zu sein. Konkret geht es dabei um persönliche Eigen­schaften, Persön­lich­keits­merkmale, Fähig­keiten, Fertig­keiten, Begabungen, Neigungen, Interessen und Bedürfnisse.

Selbst­sicherheit

Selbstsicherheit ergibt sich daraus, dass sich das Individuum sicher ist, die eigenen Potentiale, Fähig­keiten und Fertig­keiten in unterschied­lichen Situationen gelungen realisieren zu können. Sich selbst sicher sein bedeutet dabei, die Sicher­heit aus sich selbst heraus zu erhalten, ohne die Bestätigung durch Bezugs­personen zu benötigen.

Selbstvertrauen

Wenn sich das Individuum mit den eigenen Fähig­keiten und Fertig­keiten entfalten und die persönlichen Bedürfnisse zufrieden­stellend erfüllen kann, entsteht gesundes Selbst­vertrauen. Das Individuum vertraut darauf, mit den persönlichen, sozialen und fachlichen Kompetenzen gut durchs Leben zu kommen.

Selbstreflexion, realistische Selbst­ein­schätzung und gesundes Selbst­vertrauen

Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und Selbst­vertrauen hängen also maßgeblich von persönlichen Eigen­schaften und Fähig­keiten sowie von deren tatsächlichen Verwirk­lichung ab. Dabei passt das psychisch gesunde Individuum die Anforderungen an sich selbst realistisch an das eigene Potential an, wobei dem Individum die eigenen Stärken und Schwächen bekannt sind.

Durch das realistische Bewusst­sein über tatsächlich bestehende Potentiale, Fähig­keiten und Fertig­keiten entsteht echtes Selbst­bewusst­sein und gesundes Selbst­ver­trauen. D.h. wirklich selbst­bewusste Menschen sind nicht jene, die von sich selbst total überzeugt sind, sondern jene, die sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst sind und sich selbst und ihre Fähig­keiten kritisch hinter­fragen können. Diese Selbst­reflexion kann auch mit Selbst­zweifeln verbunden sein und zu Krisen führen. Bei den meisten Menschen wirken sich solche Krisen und Zweifel jedoch günstig auf die persönliche und fachliche Entwicklung aus.

Wenn die eigenen Kompetenzen durch eine gestörte Selbst­wahr­nehmung bzw. fehlende Selbst­reflexions­fähig­keit über­schätzt werden, kommt es aufgrund der daraus entstehenden Probleme und Über­forderungen häufig auch zu beruflichen Schwierig­keiten und zwischen­mensch­lichen Konflikten. Beruflich hat fast jeder Mensch schon einen Vorgesetzen oder Kollegen mit einer derartigen Problematik erlebt.

Ein übersteigertes Selbstver­trauen kann auch bei psychisch gesunden Menschen auftreten, um in Extrem- und Ausnahme­situationen eine Aufgabe bewältigen zu können. Meist ist die Ursache für die Selbst­über­schätzung aber ein Selbstwert­defizit bzw. mangelndes Selbstwertgefühl.

Selbstwertgefühl

Das Selbstwertgefühl liegt viel tiefer in der menschlichen Psyche als das Selbst­ver­trauen. Im Grunde sollten wir uns selbst auch dann wertvoll und geliebt fühlen, wenn wir nicht viel können, wenn wir nicht superg'scheit sind, wenn wir keine Erfolge vorweisen können und wenn wir keinem Schönheits­ideal entsprechen.

Kompensation von Minder­wertig­keits­gefühlen

Fehlt es an Selbstwert, können besondere persönliche Eigenschaften, spezielle Qualifi­kationen, großartige Erfolge oder aufopfernde gesell­schaftliche Engagements das Selbst­wert­gefühl beachtlich erhöhen. Die Betroffenen sind jedoch von diesen persönlichen Besonder­heiten und Erfolgen abhängig, um sich wertvoll zu fühlen.

Außerdem kommt es bei dieser Kompensation häufig zu einem über­höhten Selbstwert­gefühl oder einem Gefühl der Überlegen­heit anderen gegenüber, was die Beziehungs­gestaltung und das Beziehungs­erleben beein­trächtigen kann.

Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung

Wird das Selbstwert­defizit im anderen Extrem nur wenig bis gar nicht kompensiert, ist die Selbst­wert­problematik deutlich sichtbar. Diese Betroffenen werden von ihren Mitmenschen einer­seits als schüchtern, unsicher und ängstlich und anderer­seits als zurückhaltend-bescheiden, sensibel und nett wahrgenommen. Für die Betroffenen ist ihre Selbst­unsicherheit und ihr ängstlich-vermeidendes Verhalten eine große Belastung.

Selbstzweifel

Zweifel an sich selbst und an den eigenen Fähig­keiten sind eine elementare Notwendig­keit für das erfolgreiche Voran­kommen im Leben und für Korrekturen auf dem eingeschlagenen Lebensweg. Ohne Selbst­zweifel würden wir uns zu wenig auf neue Heraus­forderungen vorbereiten oder zu lange auf einem falschen Weg bleiben.

Zweifel an den eigenen Fähig­keiten und das Impostor-Phänomen

Die Zweifel an den eigenen Fähigkeiten motivieren dazu, das eigene Wissen und Können zu über­prüfen und gegebenen­falls zu erweitern. Es braucht aller­dings eine Ausgewogen­heit zwischen Selbst­zweifel und Selbstvertrauen.

Wenn die Selbstzweifel dazu führen, sich als Hochstapler zu fühlen, obwohl die Qualifikationen weitgehend dem beruflichen Anforderungs­profil entsprechen, spricht man vom Impostor-Phänomen, auch Hochstapler-Phänomen genannt. Oft wird auch die Bezeichnung Hochstapler-Syndrom verwendet, wobei Syndrom auf ein Krankheits­bild mit Auftreten bestimmter Symptome hinweist – also wenn die Problematik krankheits­wertig ist.

Die hohe Anzahl an Betroffenen eines Impostor-Phänomens (ca. die Hälfte aller Hochqualifizierten) weist darauf hin, dass es sich im Allgemeinen um die üblichen Zweifel an den eigenen Fach­kennt­nissen und Kompetenzen handelt, die durch über­mäßigen Perfektionismus, Ehrgeiz und Leistungs­druck verstärkt auftreten.

Proble­matischer wird es, wenn es negative Erfahrungen mit Leistungs­druck bereits in der Kind­heit gegeben hat und die Betroffenen schon früh im Leben das Gefühl hatten, nie gut genug zu sein. Ist eine Problematik in der Kind­heit entstanden, sollte immer eine Psycho­therapie oder psycho­logische Behandlung in Anspruch genommen werden, während der konstruktive Umgang mit Perfektionismus, Ehrgeiz und Leistungs­druck ein typisches Coaching- und Fortbildungs­thema ist.

In vielen Fällen eines Impostor-Phänomens kann angenommen werden, dass es eigentlich um Zweifel am eigenen Lebensweg und/oder am eigenen Selbst geht, die aber ins Unbewusste verdrängt wurden. Beispiel: Das einzige Kind eines Arztes studiert zuliebe des Vaters ebenfalls Medizin, obwohl die eigentlichen Interessen und Neigungen in ganz anderen Bereichen liegen. In gewissem Sinne handelt es sich hier um eine Selbst- und Lebenslüge, die mit der irrealen Angst einhergeht, entlarvt und als Hochstapler bloßgestellt zu werden. Im Rahmen einer Psychotherapie können diese inneren Phänomene und unbewussten Prozesse aufgedeckt und bearbeitet werden.

Zweifel am eigenen Lebensweg

Bewusste Zweifel hinsichtlich Beruf, Ausbildung, Beziehung, etc. regen zur nähren Auseinander­setzung mit den Entscheidungen und dem eingeschlagenen Lebensweg an. Wenn die Zweifel zu belastend werden und die notwendigen Entscheidungen allein und mithilfe von Freunden nicht mehr getroffen werden können, kann eine psycho­logische Beratung oder psychothera­peutische Unter­stützung weiterhelfen.

Zweifel am eigenen Selbst

Wenn es sich um wortwörtliche Selbst­zweifel handelt, also Zweifel am eigenen Selbst, ist eine psychothera­peutische Selbst­erfahrung die passende Begleitung, um das wahre Selbst zu finden.

Krankhafte Selbstzweifel

Bei über­steigerten und unbegründ­baren Selbst­zweifeln, die mit einem erheblichen Leidens­druck und Vermeidungs­strategien einhergehen (siehe auch Selbst­wert­problematik und selbst­unsichere Persönlich­keit) ist es essentiell, sich im Rahmen einer Psychotherapie mit dem Beziehungs­erleben in der Kindheit auseinanderzusetzen.

Der Stellenwert von Bildung und Selbst­verwirk­lichung bei der Entwicklung von Selbst­bewusst­sein und Selbst­vertrauen

In der modernen westlichen Gesellschaft sind allgemeine und individuelle Bildung sowie individuelle Selbst­ver­wirklichung die Basis der persönlichen und gesell­schaft­lichen Entwicklung und Entfaltung. Der Individualismus bei Bildung und Selbst­ver­wirklichung führt zu individuellem Selbst­bewusst­sein und Selbst­vertrauen.

Das Entwicklungs­potential und dessen Verwirklichung muss nicht unbedingt akademischer oder beruflicher Natur sein, um sich selbstbewusst und selbstsicher zu fühlen. Praktisch jede Aufgaben­stellung, jede künstlerische Entfaltung, jedes Hobby, jedes Interesse benötigt persönliche Eigen­schaften, Fähigkeiten und Fertig­keiten, die das Individuum fordern und zu etwas Besonderem machen.

Bildung

Bildung ist der persönliche Prozess, sich ein Bild zu verschaffen von der Welt und sich selbst. Der Bildungs­prozess beinhaltet das Sammeln von Erkenntnissen über Phänomene und Zusammen­hänge, wobei versucht wird, diese zu verstehen oder zumindest ein Verständnis dafür zu gewinnen. Ziel ist, die gelungene Bildung für sich selbst und für die Gesell­schaft zu nutzen.

Selbstver­wirklichung

Individuelle Selbst­ver­wirklichung bedeutet, sich die Freiheit zu nehmen, die persön­lichen Eigen­schaften und Fähig­keiten auszu­probieren und zu entfalten. Auf diese Weise werden weitere Erfahrungen mit sich selbst und der Welt gesammelt, was in der Folge zu weiterem persön­lichen Wachstum führt.

Maßgeblich bei der Selbst­ver­wirklichung ist einerseits das Bewusstsein über die eigene Identität (also das Selbst­bewusst­sein) und anderer­seits die innere und äußere Freiheit zur Selbst­ver­wirklichung. Wurde in der Kindheit die Autonomie- und Identitäts­ent­wicklung beeinträchtigt, kommt es meist zu Problemen bei der Selbst­ver­wirklichung, die jedoch mit einer professionellen Unter­stützung relativ leicht bearbeitet werden können.

Bei größeren Lebenszielen sollte besonders auf die Verwirklichung der wahren eigenen Potentiale, Interessen und Ziele geachtet werden, anstatt nach familiär oder gesell­schaftlich erwünschten Idealen zu streben. Wichtig ist, für sich selbst die passenden Entfaltungs­möglich­keiten zu finden, um mit der Aufgabe freudevoll wachsen zu können.

Nicht selten ist deshalb vor der Umsetzung persönlicher, akademischer und beruf­licher Ziele eine motivationale Klärung erforderlich, die im Rahmen der Ausbildung oder in einem Coaching erfolgen kann. Manchmal braucht es einen angeleiteten Selbst­erfahrungs­prozess in einer Psychotherapie, um die wahre eigene Identität und die wirklichen Ziele zu entdecken.

Persönlichkeits­entwicklung und Selbst­vertrauen

Die Selbstver­wirklichung der wahren eigenen Identität begünstigt die Selbst­er­fahrung, was wiederum mit Selbstbe­wusstsein verbunden ist, weil mit den persönlichen Erfahrungen das Bewusstsein über die persönlichen Eigen­schaften, Potentiale und Fähig­keiten wächst. Durch diesen positiven Kreislauf entsteht persönliches Wachstum.

Mit der Selbstver­wirklichung wird auch ein Beitrag zum Erhalt und Wachstum einer Gesell­schaft geleistet. Zudem ermöglicht die Selbstver­wirklichung im Rahmen gemeinsamer Ziele mit anderen Individuen die Verwirklichung größerer Projekte und das “über sich selbst hinauswachsen”.

Die Kombination aus Bildung und Selbst­ver­wirklichung ist also Persönlich­keits­ent­wicklung sowie Schöpfung und Gestaltung betreffend der eigenen Person, der Gesellschaft und der Welt. Beim gesunden Menschen ergibt sich daraus das entsprechende Selbstvertrauen.

Was tun bei wenig Selbst­vertrauen

Wer etwas gut kann und sich dessen selbst bewusst ist (also ohne vom Lob anderer abhängig zu sein) und sich außerdem sicher ist, diese Kompetenzen zuverlässig umsetzen zu können, ist im Allgemeinen selbstbewusst und selbstsicher.

Durch die wiederholte gelungene Umsetzung der eigenen Fähigkeiten und Fertig­keiten wächst zudem das Selbst­vertrauen. Auch die Fähigkeit des Aufstehens und Weiter­machens nach einem Scheitern stärkt das Selbst­vertrauen.

Fachliche Kompetenzen aneignen und weiter­entwickeln mit Weiterbildung

Das individuelle fachliche, akademische und künstlerische Wachstum hat einen enormen Effekt auf Selbst­bewusst­sein, Selbst­sicher­heit und Selbst­ver­trauen, insbesondere wenn diese Aktivitäten mit guten Beziehungen und gelungener zwischen­menschlicher Kommunikation verbunden sind.

Nur Party feiern und mit Freunden herumhängen ist zwar auch super (ich habe das einige Jahre ausprobiert), aber mit der Zeit kommt beim gesunden Menschen das Gefühl auf, dass das Leben und die eigene Persönlich­keit mehr zu bieten haben. Dabei konnte ich an mir selbst beobachten, wie mit dem Still­stand der Entwicklung meiner fachlichen und kreativen Potentiale und dem Verfall meiner Fach­kompetenz das Selbst­ver­trauen schrumpfte. Mit der Fort­setzung und Absolvierung meines Studiums und der Wieder­auf­nahme meiner künstlerischen Aktivitäten wurde dieser negative Trend wieder umgekehrt.

Schlüssel­kompetenzen weiter­entwickeln mit Coaching

Schlüsselkompetenzen sind elementare Fähig­keiten, Fertig­keiten und Persönlich­keits­merkmale zur Bewältigung neuer Heraus­forderungen, zur sicheren Lösung schwieriger Problem­stellungen und zum gelungenen sozial-kommunikativen Miteinander.

Gemeinsam mit der Fach­kompetenz bilden sie die Grund­lage für den akademischen, beruflichen und persönlichen Erfolg. Bei schulischen bzw. akademischen Problemen und zur Bewältigung besonders schwieriger Heraus­forderungen braucht es häufig eine gezielte Förderung und Weiter­ent­wicklung der relevanten Schlüssel­kompetenzen.

Innere Hemmnisse bearbeiten und psychische Blockaden auflösen mit Psychotherapie

Psychische Probleme und persönliche Entwicklungs­defizite können die Kompetenz­ent­wicklung und Potential­ent­faltung massiv behindern oder sogar gänzlich blockieren. In einer Psychotherapie wird die psychische Problematik professionell und nach­haltig bearbeitet, wodurch auch der Weg zur vollen Selbst­ver­wirklichung frei gemacht wird, was wiederum das Selbst­ver­trauen stärkt.

Häufig ist das persönliche und akademische Vorankommen durch Angststörungen (z.B. Sozialphobie) gehemmt. Auch Prüfungs­ängste und Selbst­zweifel, die über das übliche Maß hinaus­gehen können ein ernsthaftes Hemmnis für die Verwirklichung ersehnter persönlicher und beruflicher Ziele sein. Diese sogenannten neurotischen Störungen und die zugrunde liegenden inneren Konflikte sind mithilfe einer Psychotherapie relativ rasch und einfach zu lösen.

Besonders gehemmt sind Menschen mit einer selbst­unsicheren Persönlich­keits­störung. Symptomatisch sind hier ängstlich-vermeidendes Beziehungs­verhalten sowie Minder­wertig­keits­gefühle, die kaum kompensiert werden können. Dies hat jedoch den Vorteil, dass die tiefere Unsicherheit und Ängstlichkeit offensichtlich ist und deshalb auch leichter und direkter behandelt werden kann, als die narzisstische Selbst­wert­kompensierung bei einer ausgeprägten Selbst­wert­problematik.

Psychotherapie bei einer Selbst­wert­problematik

Ein gefestigter, gesunder Selbstwert entsteht durch die guten Beziehungs­erfahrungen in der Kindheit, durch die gelungenen zwischen­mensch­lichen Beziehungen im Laufe des Lebens und durch das Bewusstsein der eigenen Liebes­fähigkeit. Ich bin wertvoll, weil ich geliebt werde und lieben kann.

Bei mangelndem Selbstwert kann die Aneignung von Kenntnissen und Fertig­keiten und die Realisierung von Begabungen und Fähigkeiten das Selbst­wert­gefühl beträchtlich erhöhen und scheinbar sogar stabilisieren. Oft ist dabei eine extreme und exzessive Art der Selbst­ver­wirklichung zu beobachten, die mit beachtlichen Leistungen und Erfolgen verbunden sein kann.

In der Tiefe der Psyche ist die Selbst­wert­problematik jedoch weiterhin präsent. Dadurch ist dieser kompensierte Selbstwert äußerst labil. Ein Scheitern bei persön­lichen oder beruflichen Heraus­forderungen führt dann nicht nur zu Selbst­zweifel und Verun­siche­rung, sondern häufig auch zu einem regelrechten Kollabieren des Selbst­wert­gefühls.

Entstehung, Ursachen und Bearbeitung

Die Entstehungs­geschichte eines gestörten Selbstwerts liegt fast immer in den ersten sechs Jahren der Kindheit und das Ausmaß sowie die Art der Selbst­wert­problematik variiert je nach der erlebten Beziehungs­problematik. Je früher die Beziehungs­störung und je proble­matischer die Beziehungs­dynamik war, desto massiver ist der Selbst­wert beeinträchtigt und desto krisenreicher und anspruchs­voller ist die Therapie.

Meist waren die Bezugs­personen überfordert oder litten selbst an psychischen Problemen, wodurch das kleine Kind keine sichere Bindung entwickeln konnte oder sich nicht wirklich angenommen und geliebt fühlte. In vielen Fällen litt die Mutter an einer Depression.

Bei der Bearbeitung einer Selbst­wert­problematik ist im Allgemeinen eine längere Psychotherapie erforderlich und im therapeutischen Prozess sind spezifische Behandlungs­faktoren und Besonder­heiten in der Beziehungs­gestaltung zu beachten. Entscheidend für den Behandlungs­erfolg sind 1) eine stimmige therapeutische Beziehung und 2) das Dranbleiben an der Therapie bei den fast immer auftretenden Therapiekrisen.